Funktionsstörungen & Erkrankungen verstehen

Was Sie über Mukoviszidose wissen sollten

Was Sie über Mukoviszidose wissen sollten

Verdauung auf dem Trockenen

Die Mukoviszidose, die auch als zystische Fibrose bezeichnet wird, ist eine angeborene, erbliche Erkrankung, von der in Deutschland ca. 8.000 Menschen betroffen sind. In Mitteleuropa rechnet man pro 2.000 bis 2.500 Geburten mit einem erkrankten Kind.

Im gesunden menschlichen Körper befindet sich das Verhältnis von Wasser und Salzen in einem Gleichgewicht.

Dadurch werden die Absonderungen von Drüsen (medizinisch: Sekrete), wie beispielsweise der Bauchspeichel, flüssig gehalten. Bei Mukoviszidose enthält der Bauchspeichel allerdings nicht mehr ausreichend Salze und Wasser. Es ist zäh und dickflüssig, und kann nicht mehr in den Darm abfließen. Dadurch werden die Bauchspeicheldrüse (Pankreas), aber auch benachbarte Organe wie die Leber und die Gallenblase, in ihrer Funktion beeinträchtigt. Wichtige „Verdauungshelfer“ (Enzyme) stehen nicht mehr ausreichend zur Verfügung, die Verdauung sitzt sozusagen „auf dem Trockenen“. Viele Mukoviszidose-Patienten leiden schon sehr früh an einer Funktionsstörung der Bauchspeicheldrüse. Im Alter von einem Jahr sind bereits ca. 90 % der Patienten davon betroffen. Aber auch andere Organe, vor allem die Lunge und die Fortpflanzungsorgane, sind bei diesen Patienten in Mitleidenschaft gezogen.

Was Sie über Funktionsstörungen und Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse wissen sollten

Was Sie über Funktionsstörungen und Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse wissen sollten

Ein lebenswichtiges Organ
Die Bauchspeicheldrüse (in der medizinischen Fachsprache: das Pankreas) ist ein wichtiges Organ in der Mitte unseres Körpers. Sie hat zwei unterschiedliche Funktionen: zum einen produziert sie Hormone zur Kontrolle des Blutzuckerspiegels (endokrine Funktion), zum anderen Enzyme für die Verdauung der Nahrung (exokrine Funktion).
 
Größe, Lage und Aufbau der Bauchspeicheldrüse
Die Bauchspeicheldrüse befindet sich in einem Bereich hinter und unter dem Magen.

Sie ist ca. 15 cm lang, 5 cm breit, 2 bis 3 cm dick und etwa 80 bis 120 g schwer und in drei Abschnitte eingeteilt: den Kopf, den Körper und den Schwanz. In der Mitte der Bauchspeicheldrüse verläuft ein weit verzweigter Gang, der Pankreasgang. Er transportiert eine wichtige Flüssigkeit, den Pankreassaft („Bauchspeichel“). Dieser ist reich an Verdauungsenzymen und gelangt aus dem Pankreasgang direkt in den Zwölffingerdarm, wo er sich mit dem Nahrungsbrei vermischt. Kurz vor der Einmündung in den Zwölffingerdarm vermengt sich das Bauchspeicheldrüsensekret mit dem Gallensaft, der in der Leber entsteht.

Was Sie über Funktionsstörungen und Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse wissen sollten

Aufgaben und Bedeutung der Bauchspeicheldrüse für die Ernährung
Die beiden Hauptaufgaben der Bauchspeicheldrüse werden als „endokrine“ und „exokrine“ Funktionen bezeichnet: Außerdem hat sie die Funktion, den Magensaft zu neutralisieren.

    • Die endokrine Funktion dient der Regulierung des Blutzuckerspiegels. Die Bauchspeicheldrüse produziert Insulin und andere Hormone mit Einfluss auf den Blutzuckerspiegel, die ins Blut abgegeben werden.
    • Die exokrine Funktion leistet einen wichtigen Beitrag zur Verdauung. Täglich bildet die Bauchspeicheldrüse 1,5 bis 3 Liter Verdauungssaft. Dieser enthält Enzyme zur Aufspaltung von Nährstoffen sowie basische Salze (Bikarbonat), die die Magensäure neutralisieren. Der Pankreassaft wird zusammen mit der Gallenflüssigkeit in den Zwölffingerdarm geleitet und vermischt sich dort mit dem Nahrungsbrei.

     

    Bei den Verdauungs-Enzymen der Bauchspeicheldrüse handelt es sich um verschiedene Eiweißstoffe (Enzyme), die die Nahrung während der Verdauung in kleinste Bausteine zerlegen können. Dadurch können die Nährstoffe über den Darm in die Blutbahn gelangen. Die Bauchspeicheldrüse produziert mehr als 20 solcher Verdauungsenzyme. Die wichtigsten unterscheidet man nach ihrer Funktion in:

    • Amylasen zur Verdauung von Zuckerstoffen (Kohlenhydraten)
    • Proteasen zur Verdauung von Eiweißen
    • Lipasen zur Verdauung von Fetten

Was Sie über Funktionsstörungen und Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse wissen sollten

Exokrine Pankreasinsuffizienz – wenn die Bauchspeicheldrüse Alarm schlägt
Von einer exokrinen Pankreasinsuffizienz (EPI) sprechen Ärzte, wenn die Bauchspeicheldrüse Verdauungsenzyme in unzureichender Menge oder gar nicht mehr produziert.
Klassische Symptome sind unter anderem heftige, gürtelförmig ausstrahlende Oberbauchschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Blähungen, Durchfall. Da insbesondere die Fettverdauung unzureichend ist, kommt es in der Regel zu Gewichtsverlust und zur Absonderung eines teils sehr hellen, übelriechenden, voluminösen Stuhls (sogenannter Fettstuhl). Die Symptome treten meist schubweise und manchmal in ihrer Gesamtheit erst nach Jahren auf. Eine bakterielle Fehlbesiedelung des Darms kann erschwerend hinzukommen.

Was Sie über Funktionsstörungen und Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse wissen sollten

Typische Anzeichen – gehen Sie bitte zum Arzt!
Es gibt einige typische Anzeichen, die auf eine akute, das heißt plötzlich auftretende Funktionsstörung oder Erkrankung der Bauchspeicheldrüse hindeuten. Treten sie auf, sollte baldmöglichst ein Arzt aufgesucht werden. Dazu zählen:

  • plötzlich auftretende, heftige, krampfartige Schmerzen im Oberbauch, die bis in die Brust oder den Rücken ausstrahlen können und die sich im Sitzen oder Liegen mit angezogenen Knien verringern
  • Schmerzen beim Drücken auf den Bauch
  • Übelkeit/Erbrechen
  • Darmträgheit
  • Fieber
  • Gelbfärbung der Haut („Gelbsucht“)
  • in schweren Fällen Wasseransammlung im Bauch (Aszites) oder Flüssigkeit zwischen Lunge und Brustwand mit Atembeschwerden

 
Bei chronischen Funktionsstörungen und Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse können trotz verschiedenster Ursachen ähnliche Symptome auftreten, weil letztendlich bei allen die Verdauung der Nahrung mehr oder weniger stark beeinträchtigt ist. Die wichtigsten Symptome sind:

  • Appetitlosigkeit und Gewichtsabnahme
  • Übelkeit und Erbrechen
  • Bauchschmerzen
  • Luft- bzw. Gasansammlungen im Darm, die zu Blähungen und Krämpfen führen können
  • Durchfall
  • übelriechender, fettiger Stuhlgang, der sich in der Toilette schlecht wegspülen lässt
  • wiederholte Gelbsucht

Häufig sind die Beschwerden zunächst nur mäßig ausgeprägt; im Endstadium der Erkrankung können sie völlig fehlen. Dies ist einer der Gründe, weshalb Betroffene nicht rechtzeitig einen Arzt konsultieren und dadurch die Diagnose erst spät gestellt wird.

Was Sie über Verstopfung wissen sollten

Verstopfung – unangenehm oder auch gefährlich

Unser Darm sorgt dafür, dass unverdauliche Nahrungsreste und auch giftige Substanzen den Körper wieder verlassen. Funktioniert die Verdauung nicht richtig, leidet der ganze Mensch und das Wohlbefinden ist stark beeinträchtigt. In den meisten Fällen ist eine Verstopfung „nur“ eine funktionelle Störung und nicht Zeichen einer ernsthaften Erkrankung.

Wer einen unregelmäßigen Stuhlgang hat, ist nicht gleich krank. Das heißt: Der Körper reagiert ggf. auf falsche Ernährung oder zu wenig Flüssigkeit mit einem trägen Darm.

Von einer Verstopfung spricht man normalerweise erst dann, wenn in der Woche weniger als drei Darmleerungen erfolgen. Häufig ist der Stuhl dann hart, das Ausscheiden ist mühsam, man hat das Gefühl einer unvollständigen Entleerung. Betroffen sind hierzulande viele Menschen. Studien zufolge leiden zehn bis 20 Prozent der Erwachsenen regelmäßig an Verstopfung – zwei Drittel davon sind Frauen. Besonders häufig haben Schwangere und ältere Menschen Beschwerden mit der Stuhlentleerung.

Typisch für das Krankheitsbild Verstopfung ist ein ständiges Völle- oder Blockadegefühl des Enddarms. Bei Verstopfung kann der Darm häufig nur durch starkes Pressen entleert werden, was schmerzhaft ist. Oft kommen trotz großer Anstrengung nur kleine Mengen Exkremente. Oft lässt sich der Stuhlgang mit diätischen Maßnahmen wieder regulieren. Ein Arzt sollte auf jeden Fall aufgesucht werden, wenn die Verstopfung mit starken Beschwerden oder Schmerzen im Bauch oder am After einhergeht, wenn beim Stuhlgang Schleim oder Blut beobachtet wird oder wenn die Verstopfung schon über Wochen bzw. Monate besteht.

Was Sie über Reizdarm wissen sollten

Reizdarm – eine Volkskrankheit mit vielen Gesichtern

Krampfartige Schmerzen und Druck im Unterbauch: Diese Probleme kennen viele Menschen. Mediziner beschreiben die Beschwerden als Reizdarm oder auch als Reizdarm-Syndrom – kurz RDS. Ein Reizdarm kann überaus schmerzhaft sein, ist aber in der Regel ungefährlich. Hinzu kommt: Die Beschwerden lassen sich behandeln.

Ein Reizdarm-Syndrom ist eine häufige, chronische Erkrankung des Darms. Fünf bis 15 Millionen Deutsche sind Schätzungen zufolge von RDS betroffen. Damit gehört RDS zu den am meisten verbreiteten Krankheiten des Verdauungstrakts. Bei der Hälfte der Betroffenen beginnen die Beschwerden vor dem 35. Lebensjahr. Frauen leiden doppelt so oft an RDS wie Männer. Allerdings wird die Krankheit auch bei Kindern, bei Jugendlichen sowie bei älteren Menschen diagnostiziert.

Typisch bei RDS sind erhebliche Schmerzen im Unterbauch. Zwar lassen die Beschwerden nach dem Stuhlgang nach, häufig setzen sie wenig später aber wieder ein. Die Symptome von RDS sind sehr vielfältig – sie reichen von einem aufgeblähten Bauch mit krampfartigen Schmerzen über Durchfall, Blähungen, Völlegefühl bis zu Verstopfung. Zudem klagen RDS-Patienten häufig über Sodbrennen, Kopf- und Gliederschmerzen, Erschöpfung, Schluckbeschwerden, Kreislaufprobleme, Herzrasen, Atemnot, starkes Schwitzen, innere Unruhe, depressive Verstimmungen und Angststörungen. Viele Betroffene sprechen auch von einem Gefühl „unvollständiger Entleerung“. Starke Beschwerden treten bei etwa fünf Prozent der Betroffenen auf – dann sind die Schmerzen häufig sehr stark und die Symptome beeinträchtigen die täglichen Aktivitäten erheblich.

Komplikationen & Folgeschäden

Komplikationen und Folgeschäden bei Mukoviszidose

Folgeschäden können an vielen Organen auftreten. Dazu zählen vor allem

  • die Lunge, wo sich Abszesse bilden und/oder das Gewebe zerstört werden kann
  • die Leber, wo Gallensteine und Leberzirrhose entstehen können
  • die Knochen, wo durch den Mangel an Vitamin D ein vorzeitiger Abbau stattfinden kann,
  • die Bauchspeicheldrüse, wo durch Gewebszerstörung ein pankreatogener Diabetes entstehen kann.

Dank verbesserter medizinischer Betreuung ist jedoch die durchschnittliche Lebenserwartung von Mukoviszidose-Patienten in den letzten Jahren deutlich angestiegen. Heute liegt sie im Mittel bei etwa 40 Jahren. Ein heute geborenes Kind mit Mukoviszidose kann sogar das Rentenalter erreichen.

Komplikationen & Folgeschäden

Komplikationen und Folgeschäden bei Bauchspeicheldrüsenerkrankungen

Bei unspezifischen und relativ selten auftretenden Beschwerden im Magen-Darm-Trakt wie beispielsweise Übelkeit, Durchfall oder Bauchschmerzen suchen Betroffene häufig nicht den Arzt auf. Stattdessen behandeln sie die Symptome mit Hausmitteln oder frei verkäuflichen Medikamenten.

Liegt diesen Beschwerden aber eine Funktionsstörung oder Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse zugrunde, kann dieses Abwarten unter Umständen zu Komplikationen und Folgeschäden führen. Bei akuten Erkrankungen kann es sogar zu lebensbedrohlichen Zuständen wie Schock, inneren Blutungen oder Multiorganversagen kommen. Darüber hinaus können sich auch Pseudozysten oder Abszesse bilden.

Pseudozysten entstehen, wenn Bauchspeicheldrüsengewebe geschädigt wurde und ein Einriss im Pankreasgangsystem entstanden ist. Das austretende Pankreassekret sammelt sich in oder um die Bauchspeicheldrüse langsam an. Diese Ansammlungen werden Pseudozysten genannt. Oft verschwinden sie ohne Therapie (Spontanheilung). Es gibt jedoch auch Pseudozysten, die immer größer werden und schließlich zu Beschwerden wie Übelkeit, Erbrechen, Schmerzen und Gewichtsverlust führen können. Auch eine Passagebehinderung des Speisebreis im Magen, Dünn- oder Dickdarm oder eine Behinderung des Gallenabflusses kann vorkommen. Schließlich besteht die Gefahr, dass sie zerplatzen und sich ihr Inhalt in den Bauchraum entleert. Bei Pseudozysten, die Beschwerden verursachen, ist meistens eine Operation nötig, bei der ihr Inhalt in den Dünndarm abgeleitet wird.

Pankreasabszesse können nach Abklingen einer akuten Pankreatitis infolge einer Ansammlung von Eiter in der Umgebung der Bauchspeicheldrüse entstehen. Dieser kann zu wiederholten Fieberschüben führen. Meistens gelingt es dem Arzt, den Abszess unter Röntgenkontrolle und lokaler Betäubung zu punktieren und über einen kleinen Schlauch abfließen zu lassen. Gelingt dies nicht, ist eine Operation notwendig.

Werden chronische Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse nicht rechtzeitig erkannt und angemessen behandelt, kann es zum Nachlassen der Leistungsfähigkeit, erhöhter Infektanfälligkeit und Gewichtsabnahme kommen, denn der Körper wird durch die gestörte Bauchspeicheldrüsenfunktion nicht mehr ausreichend mit Nährstoffen und Vitaminen versorgt. Darüber hinaus können sich auch schwerwiegendere Erkrankungen wie die Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus) oder eine Krebserkrankung im Bereich der Bauchspeicheldrüse unerkannt entwickeln.

Komplikationen & Folgeschäden

Komplikationen und Folgeschäden bei Verstopfung

Eine nicht behandelte chronische Verstopfung kann verschiedene Komplikationen und Folgeschäden haben. Dazu zählen vor allem Hämorrhoiden, Schleimhautrisse (Analfissuren) oder ein Darmvorfall (Prolaps), verursacht durch den harten Kot und/oder starkes Pressen. Innerlich können Entzündungen entstehen.

Komplikationen und Folgeschäden bei Reizdarm

Auch wenn die Symptome eines Reizdarmsyndroms die täglichen Aktivitäten und die Lebensqualität der Betroffenen oft erheblich beeinträchtigen, ist die Erkrankung nicht gefährlich; auch Komplikationen sind unbekannt.